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Kulturerbe pflegen

UNESCO-Welterbestätten

Botschafter kultureller Vielfalt von Weltrang

Sachsen-Anhalt ist ein Land der Weltkulturschätze. Mit einer außergewöhnlichen Dichte an UNESCO-Welterbestätten steht es im Herzen Europas für die Vielfalt und Innovationskraft der menschlichen Kulturgeschichte. Die fünf Welterbestätten des Landes erzählen von künstlerischer und wissenschaftlicher Exzellenz, von religiösen Erneuerungsbewegungen, technischen Errungenschaften und mutigen Visionen. Doch das Welterbe ist weit mehr als touristisches Aushängeschild – es ist identitätsstiftend, verbindet Vergangenheit und Gegenwart und schafft Orte der Begegnung, Bildung und des gesellschaftlichen Dialogs. Zwischen 2021 und 2025 hat die Landesregierung gemeinsam mit Kommunen, Stiftungen und Partnern bedeutende Impulse gesetzt, um diese Schätze zu bewahren, zu feiern und zugleich zukunftsfähig zu gestalten. Im Fokus standen in dieser Zeit der nachhaltige Schutz, die Stärkung der Vermittlungskraft und die Entwicklung der Welterbestätten zu Orten des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dabei wurden Denkmalpflege, Digitalisierung, Bildung und internationale Kooperation konsequent miteinander verknüpft.

Naumburg – Fünf Jahre UNESCO-Welterbestätte (2023)

Der Naumburger Dom St. Peter und Paul blickte 2023 auf fünf Jahre Welterbestatus zurück. Eine viel beachtete Sonderausstellung zur Kunst der Stifterfiguren zog Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland an. „Der Naumburger Dom ist nicht nur ein sakrales Bauwerk, sondern ein europäisches Zeugnis des hohen Mittelalters“, so Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff. Das Jubiläum wurde mit einem Bürgerfest begangen. Die Feierlichkeiten mit Geburtstagstorte umfassten ein Festprogramm mit Sonderführungen und Mitmachaktionen in der KinderDomBauhütte.

Quedlinburg – 30 Jahre UNESCO-Welterbe (2024)

Die Altstadt Quedlinburgs, mit ihren über 2.000 Fachwerkhäusern eines der größten Flächendenkmale Europas, feierte 2024 das 30-jährige Jubiläum ihrer Aufnahme in die Welterbeliste. Wissenschaftliche Tagungen, Bürgerfeste und thematische Stadtführungen machten deutlich, wie eng das Welterbe mit der Stadtgesellschaft verwoben ist. Das Land unterstützte umfangreiche Sanierungen und die Weiterentwicklung digitaler Vermittlungsangebote, um den Erhalt und die Sichtbarkeit der historischen Altstadt langfristig zu sichern.

Gartenreich Dessau-Wörlitz – 25 Jahre UNESCO-Welterbe (2025)

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz feierte 2025 sein 25-jähriges Jubiläum als Welterbestätte. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Innovative Wasserbauprojekte, Restaurierungen und nachhaltige Pflegekonzepte zeigten, wie historische Kulturlandschaften an künftige Herausforderungen angepasst werden können. Dem historischen Vorbild nacheifernd bricht seit 2024 wieder der Vulkan in Wörlitz aus. Das beeindruckende Schauspiel lockt traditionell ein großes Publikum auf die umliegenden Wege, Wiesen und mit der Gondel auf den Kanal.

Die mit dem Tourismuspreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnete Gartenreich App bietet den Besuchern ein neues digitales Vermittlungsformat, das auf dem ersten historischen Reiseführer durch den Wörlitzer Park basiert.

Schon Ende 2023 öffnete nach über zehnjähriger Sanierung auch die Anhaltische Gemäldegalerie im Schloss Georgium in Dessau wieder ihre Türen. Seither präsentiert sie der Öffentlichkeit einen der bedeutendsten Bestände Alter Meister in Mitteldeutschland und bereichert das kulturelle Angebot der Region.

Bauhaus Dessau – 100 Jahre Bauhaus (2025)

Das Jubiläumsjahr 2025 markiert 100 Jahre Bauhaus in Dessau – ein Ereignis von weltweiter Strahlkraft. Mit dem Umzug von Weimar nach Dessau begann die prägende und international einflussreichste Phase der Bauhaus-Geschichte. In Dessau erhielt das Bauhaus nicht nur eine neue Heimat, sondern auch eine eigene architektonische Manifestation. Mit Ausstellungen, Festivals, Bildungsprogrammen und Forschungsprojekten wurde die Aktualität der Bauhaus-Idee neu beleuchtet. Die Stiftung Bauhaus Dessau erhielt gezielte Unterstützung, um den Standort als internationales Zentrum für Architektur, Design und gesellschaftliche Innovation zu stärken.

Stiftung Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben – Kontinuität und Innovation

Auch die Lutherstätten entwickelten sich in den vergangenen Jahren weiter. Neue Dauerausstellungen, digitale Vermittlungsangebote und internationale Bildungskooperationen machten die historischen Orte zu lebendigen Lernorten. Besonders nach der Pandemie war es ein wichtiges Signal, dass das Land in digitale Zugänge und hybride Formate investierte, um den weltweiten Austausch zu sichern. Ein Höhepunkt war die Beteiligung der Stiftung an der dezentralen Landesausstellung „Gerechtigkeyt 1525“, die das Wirken Thomas Müntzers und die gesellschaftlichen Umbrüche des Bauernkriegs aus historischer wie auch aktueller Perspektive beleuchtete.

Perspektiven

Die gegenwärtig fünf Stätten des Kulturellen Erbes der Menschheit können in den kommenden Jahren Zuwachs bekommen. Mit dem Pretziener Wehr und den Franckeschen Stiftungen stehen zwei vielversprechende Kandidaten auf der Tentativliste. Die Franckeschen Stiftungen haben im Oktober 2025 eine internationale Hürde genommen und im vorgeschalteten vorläufigen Bewertungsverfahren (Preliminary Assessment) von einer internationalen Expertengruppe ein positives Votum zum außergewöhnlichen universellen Wert (outstanding, universal Value) erhalten. Nun gilt es diese Hinweise zu berücksichtigen und die Antragsunterlagen zu erstellen. Für das Pretziener Wehr werden gegenwärtig die Antragsunterlagen erstellt und zur Vorprüfung im Herbst 2028 vorbereitet. Derzeit entstehen im Land zwei Welterbezentren, mit denen die Vermittlung und Stärkung des Welterbegedankens vorangetrieben werden können: Das historische Bischofsgebäude am Domplatz in Naumburg wird zum Besucherzentrum umgebaut. Die Arbeiten sind in vollem Gang und werden voraussichlich im Herbst 2026 abgeschlossen sein. Dort sollen die Welterbestätten Naumburger Dom und die umliegende Kulturlandschaft an Saale und Unstrut vorgestellt werden. Im Gartenreich Dessau-Wörlitz wiederum wird ab Frühjahr 2026 das Gelbe Hauses in Wörlitz saniert und zu einem Welterbezentrum weiterentwickelt.

Mehr erfahren über: "Auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe – 150 Jahre Pretziener Wehr".