Koordinierungsstelle Provenienzforschung
Forschung an der eigenen Sammlung
Seit ihrer Einrichtung im Jahr 2019 hat sich die Koordinierungsstelle Provenienzforschung Sachsen-Anhalt (KoP) beim Museumsverband Sachsen-Anhalt zu einer zentralen Ansprechpartnerin für die Herkunftsforschung an Museen im Land entwickelt. Was zunächst mit dem Schwerpunkt auf NS-Raubgut begann, hat sich längst zu einem breiteren Arbeitsfeld ausgeweitet: Heute umfasst die Arbeit der Koordinierungsstelle auch koloniale Kontexte sowie Kulturgutentziehungen in der SBZ und DDR – Themenfelder, die seit einigen Jahren zunehmend auch auf Bundesebene verankert sind.
Die KoP unterstützt Museen im Land bei der systematischen Suche nach unrechtmäßig entzogenem Kulturgut und begleitet sie wissenschaftlich, methodisch und organisatorisch bei ihren Projekten. Sie initiiert, koordiniert und begleitet Forschungsanträge an das in Magdeburg sitzende Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) und sorgt für Wissenstransfer und Vernetzung in der Museumslandschaft.
Seit 2019 wurden 16 Projekte mit einem Gesamtbudget von 1,7 Millionen Euro durchgeführt – darunter zwölf zu NS-Raubgut, zwei zu kolonialen Kontexten und zwei zu SBZ/DDR-Themen. Besonders prägend waren die fünf „Erstcheck“-Staffeln mit insgesamt 33 Museen sowie das mehrjährige Projekt zur systematischen Bestandsprüfung in Kooperation mit dem Danneil-Museum Salzwedel und dem Altmärkischen Museum Stendal. Mit dem Berend Lehmann Museum Halberstadt initiierte die Koordinierungsstelle Provenienzforschung in einem Verbundprojekt mit 22 Museen zur vertieften Prüfung von Objekten vermeintlich jüdischer Herkunft.
Auch im Bereich kolonialer Provenienzen setzt die Koordinierungsstelle Provenienzforschung Maßstäbe: Das Projekt zu Hans Schomburgk führte u. a. zu neuen Kooperationen mit Liberia, Togo und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Darüber hinaus wirkt die Koordinierungsstelle in bundesweiten Netzwerken und Fachgremien mit, etwa in der KMBL-Arbeitsgruppe Provenienzforschung und im Netzwerk Provenienzforschung Mitteldeutschland. Mit Publikationen, digitalen Karten, Handreichungen und Tagungsformaten trägt sie dazu bei, Wissen aufzubereiten und die Forschungspraxis weiterzuentwickeln.
Mit der Verstetigung der Stelle in der institutionellen Förderung des Museumsverbandes seit 2024 ist die Arbeit der Koordinierungsstelle Provenienzforschung dauerhaft gesichert – ein wichtiger Schritt, um die Aufarbeitung historischer Unrechtskontexte in Sachsen-Anhalts Museen nachhaltig zu verankern und den verantwortungsvollen Umgang mit Kulturerbe weiter zu stärken.
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