Motion Comics
Erinnerungsarbeit in bewegten Bildern
Motion Comics – kurz MoComs – eröffnen neue Wege der historischen Vermittlung: digitale Bildgeschichten, die mit sparsamer Animation, prägnantem Text und atmosphärischem Sound Geschichten verdichten. Gerade diese reduzierte Bildsprache vermag dank ihrer soghaften Erzählform auch junge Menschen mühelos zu erreichen.
Zwischen Oktober 2021 und Dezember 2023 entwickelte ein Projektteam gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 27 Jahren vier MoComs zum Thema „Grenzerfahrungen“. Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt war zentraler Kooperationspartner, gefördert wurde das Vorhaben im Bundesprogramm „Jugend erinnert“ (Förderlinie SED-Unrecht) der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Teilnehmenden brachten ihre eigenen Perspektiven ein, ergänzt durch die Handschrift verschiedener Künstler. So entstanden vielschichtige Annäherungen an die deutsche Teilung – historisch informiert, ästhetisch experimentierfreudig und offen für individuelle Lebensrealitäten.
Die vier Projektgruppen setzten unterschiedliche Akzente: „Grenzübertritte“, „Flucht und Ausreise“, „Geteilte Geschichte(n)“ und „Ankommen in der Fremde“. Beispielhaft ragt der MoCom „Die Dichte von Freiheit“ heraus: Er verwebt Erinnerungen zweier junger Erwachsener an den Alexanderplatz – für die eine ein Ort des Staunens, für den anderen ein Schauplatz staatlicher Kontrolle. Der Film macht erfahrbar, wie subjektiv Erinnerung funktioniert und wie notwendig der kritische Blick auf Quellen und Zeitzeugnisse bleibt.
MoComs sind mehr als digitale Erzählformate – sie sind ein kreatives Werkzeug moderner Erinnerungskultur. Sie sprechen Jugendliche unabhängig von Herkunft oder Vorwissen an und eröffnen niedrigschwellige, zugleich anspruchsvolle Zugänge zu historischen Themen.
Mehr erfahren über: "Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt – Ausstellung zu Militärjustiz".

