Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt
Ausstellung zu Militärjustiz
Von 2020 bis 2023 erarbeitete die Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt gemeinsam mit Partnereinrichtungen aus mehreren europäischen Ländern die Wanderausstellung „Das Reichskriegsgericht 1936-1945. Nationalsozialistische Militärjustiz und die Bekämpfung des Widerstands in Europa“. Das Projekt beleuchtete das Reichskriegsgericht (RKG) in seiner ganzen historischen Tragweite und bezog vor allem die Familien der Verurteilten aus Polen, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Norwegen, Tschechien und Österreich mit ein. Es verfolgte einen transnationalen Ansatz, der den Blick auf die europäische Dimension der NS-Militärjustiz schärfen sollte.
Die Eröffnung fand am 29. August 2024 im Stadtmuseum Halle statt. In seinem Grußwort betonte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff: „Die Opfer des Reichskriegsgerichts und ihr Vermächtnis sind nicht vergessen. In der Erinnerung geben wir ihnen ihre Würde zurück. Das Geschehene können wir nicht ändern. Aber die Zukunft ist offen und für ihre Gestaltung tragen wir alle Verantwortung.“
Das 1936 gegründete RKG war nicht nur für Delikte innerhalb der Wehrmacht zuständig. Als militärisches Gegenstück zum Volksgerichtshof wirkte es an der Zerschlagung zahlreicher Widerstandsgruppen in den besetzten Ländern mit. Es verantwortete 1.200 Todesurteile, dazu zahlreiche Überstellungen an Strafbataillone, Zuchthäuser und Konzentrationslager. Viele Exekutionen wurden im heutigen Gebäude der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) vollstreckt.
Die Ausstellung zeichnet nicht nur die Rechtsprechung nach, sondern rückt auch die ideologischen Fundamente und historischen Vorläufer des Gerichts in den Blick. Sie zeigt, wie in Deutschland und den europäischen Nachbarländern später mit den Opfern der NS-Militärjustiz umgegangen wurde. Besonders bedeutsam ist ihr Beitrag zur Forschung über Strukturen und Arbeitsweisen des Widerstands in den besetzen Ländern.
Im Frühjahr 2025 wurde die Schau erstmals in Warschau gezeigt, anschließend in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, jeweils begleitet von pädagogischen Programmen.
Mehr erfahren über: "Finanzausblick – Kulturausgaben im Landeshaushalt".

