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Grußwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

Kultur prägt Identität, schafft gesellschaftlichen Zusammenhalt und stärkt die Attraktivität Sachsen-Anhalts. Diese Landesregierung ist angetreten, Sichtbarkeiten zu erhöhen, Förderstrukturen weiterzuentwickeln und Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg zu verbessern – mit Erfolg. Die Verankerung des Ministeriums für Kultur in der Staatskanzlei ermöglicht es uns, die Kultur bei zentralen Entscheidungsprozessen des Landes fortwährend mitzudenken und sie so innerhalb des politischen Gesamtgefüges strategisch zu verankern.

Die vorliegende Bilanz gibt einen kleinen Einblick in das, was im Kulturland Sachsen-Anhalt zwischen UNESCO-Welterbe, Museen, Bühnen, Gedenkstätten und Traditionspflege in den vergangenen Jahren weiter wachsen konnte. Dieser kulturelle Reichtum dieses Landes verdankt sich dem Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger, und ich bin dankbar, dass hier viele kulturelle Leuchttürme heller denn je erleuchten.

Einer dieser Leuchttürme ist das Dessauer Bauhaus – spätestens mit dem Umzug nach Dessau vor einhundert Jahren eine Inkunabel der Moderne. An kaum einem anderen Ort der Welt werden die künstlerisch-gesellschaftlichen Utopien des 20. Jahrhunderts so greifbar wie hier. Einst auf der Suche nach Antworten auf die Herausforderungen einer Welt im Umbruch lohnt es sehr, diesen besonderen Ort und die von ihm freigesetzten Kräfte aus unserer Gegenwart zu betrachten. Erfolgreich war das Bauhaus gerade, weil es ein offener Ort war, der die Avantgarde von nah und fern nach Dessau zog und so ein ganzes Jahrhundert mitprägen konnte – in Deutschland, Europa und der Welt. Die Erforschung dieses einzigartigen Phänomens ist noch lange nicht abgeschlossen, das zeigt auch die Befragung der „Substanz“ im Jubiläumsjahr. Möglichkeitsräume, wie sie das Bauhaus zu eröffnen wusste, sind seit jeher Grundbedingungen für das Gedeihen von Kunst und Kultur. Auch gute Kulturpolitik schafft Möglichkeitsräume, in denen sich Kunst und Kultur frei entfalten kann. Gerade in Zeiten begrenzter Ressourcen geht es dabei nicht nur um die Bereitstellung finanzieller Mittel, sondern um den konstanten Dialog aller Beteiligter, um konstruktive Aushandlungsprozesse, um vernetztes Denken und entschiedenes Handeln.

Bei den Pro-Kopf-Ausgaben für die Kultur belegte Sachsen-Anhalt im Bundesvergleich in den vergangen Jahren Spitzenplatzierungen, dies betrifft den Bereich Denkmalschutz und Denkmalpflege in besonderer Weise. Die in den vergangenen Jahren bereitgestellten Mittel dienten dazu, etablierte Akteure und Institutionen verlässlich zu fördern und junge Projekte kraftvoll anzuschieben. Dabei ging es immer um den Ausbau von Strukturen und die konsequente Entwicklung unserer Kulturlandschaft. Ein zentraler Förderschwerpunkt war die vertragsgebundene Theater- und Orchesterförderung. Mit ihr stellt das Land zwischen 2024 bis 2028 rund 276 Millionen Euro zur Verfügung. Gerade die Bühnen in Sachsen-Anhalt stehen für eine kritische Reflexion unserer Gegenwart und sind damit unverzichtbare Stützen des sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalts. Erhebliche Investitionen kamen auch der Industriekultur als essentiellem Teil der Kulturgeschichte des Landes zu Gute oder dienten der anteiligen Mitfinanzierung des großangelegten Masterplans der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz und des Sonderinvestitionsprogramms (SIP) der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Die Kofinanzierungen des Landes brachten Bundesmittel in beträchtlicher Größenordnung nach Sachsen-Anhalt.

Neben großen Vorhaben ermöglichte das Land vielfältige mittlere und kleine Projekte, gerade auch im ländlichen Raum. Denn zwischen Soziokultur und Traditions- und Heimatpflege ist kulturelle Teilhabe und die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt und auf dem Land gleichermaßen unverzichtbar. Diese Nähe als Kennzeichen künstlerisch-kultureller Praxis zeigt sich in ähnlicher Weise im Kontext unserer Landespreise für Literatur, Kunst und Musik oder der Arbeit der Kunststiftung Sachsen-Anhalt: hier erleben wir unmittelbar, über welch beachtliche Talente dieses Land in den Künsten verfügt.

Die Pandemie hatte auch die Kulturschaffenden des Landes hart getroffen. Mit einigem Abstand dürfen wir feststellen, dass die Menschen zurück in die Theater, Museen und Konzerthäuser gekommen sind und die Besucherzahlen alte Niveaus erreicht haben. Heute schauen wir auf eine in den Strukturen stabilere, resilientere Kulturlandschaft, die auch in der Digitalisierung große Schritte nach vorn machen konnte. Auch, weil richtige Schlüsse gezogen wurden, etwamit Blick auf das mehrfach aufgelegte Stipendienprogramm „Kultur ans Netz“.

Auch das geplante Kulturfördergesetz zielt auf eine nachhaltige und verlässliche Stärkung der Kulturlandschaft. Es dient der Umsetzung des Verfassungsauftrags aus Artikel 36 der Landesverfassung und schließt eine bisher bestehende Regelungslücke zwischen dem Verfassungsgebot und der bereits praktizierten Kulturförderung durch die Kulturförderrichtlinie des Landes. Mit dem Gesetz bekräftigt das Land die Bedeutung der Kulturförderung als Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Denn die Kultur bildet das Fundament unseres demokratischen Miteinanders in einer freiheitlichen Gesellschaft.

Ihr Rainer Robra
Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt

 

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