Menu
menu

Kulturpreise

Auszeichnungen machen Exzellenz sichtbar

Kulturpreise erfüllen im öffentlichen Leben eine wichtige Funktion. Sie machen künstlerische, musikalische und denkmalpflegerische Leistungen sichtbar, setzen Qualitätsmaßstäbe und würdigen Engagement, das für die kulturelle Entwicklung eines Landes wesentlich ist. Das Land Sachsen-Anhalt vergibt in ausgewählten Sparten Kulturpreise, um Kreative, Ensembles und ehrenamtlich Tätige zu unterstützen und ihre Arbeit in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Die Auszeichnungen spiegeln die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen im Land wider und zeigen, welche Rolle persönliche Biografien, regionale Bindungen und kontinuierliche Arbeit am kulturellen Erbe für das Kulturleben Sachsen-Anhalts spielen.

Kunstpreis des Landes

Der Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen in diesem Feld. Im zweijährlichen Wechsel würdigt er entweder ein Lebenswerk oder eine herausragende Nachwuchsposition in den Bereichen bildende und angewandte Kunst sowie Design. Ein Beispiel dafür ist der Designer Rudolf Horn, der 2025 den Kunstpreis für sein Lebenswerk erhielt. Horns Werk, geprägt vom Gedanken eines offenen, modularen Designs, gilt bis heute als Bindeglied zwischen der Moderne des Bauhauses und der gestalterischen Praxis an der Burg Giebichenstein. Das berühmte MDW-Möbelprogramm, das Horn gemeinsam mit Eberhard Wüstner entwickelte, prägte ganze Generationen ostdeutscher Haushalte. Die Jury hob hervor, wie Horn zwischen gestalterischem Anspruch und den Bedingungen der DDR-Mangelwirtschaft einen eigenen Weg fand, der über ideologische Grenzen hinausweist und bis in die Gegenwart nachwirkt.

Einen anderen Akzent setzte 2024 die Vergabe an die junge Künstlerin Nora Mona Bach, die als Nachwuchspreisträgerin gewürdigt wurde. Ihre großformatigen Kohlearbeiten, deren traumhafte Landschaften zwischen Abstraktion und figürlichen Anklängen changieren, überzeugten die Jury durch ihre suggestive Bildsprache. Bach, die in Halle und Leipzig arbeitet, steht exemplarisch für eine neue Generation von Kunstschaffenden, die in Sachsen-Anhalt nicht nur ausgebildet wird, sondern auch international Beachtung findet. Mit dem Lebenswerkpreis 2021 wurde zudem der Fotograf Ulrich Wüst gewürdigt, dessen dokumentarische Stadtlandschaften den tiefgreifenden Wandel ostdeutscher Stadträume sichtbar machen und weit über die Region hinaus Anerkennung genießen.

Musikpreis des Landes

Auch der Musikpreis des Landes Sachsen-Anhalt, seit 2015 vergeben und mit 10.000 Euro dotiert, würdigt Persönlichkeiten, die mit ihrem musikalischen Schaffen das Musikland Sachsen-Anhalt prägen. Die Auszeichnung berücksichtigt sowohl Komposition als auch Interpretation und greift damit die Vielfalt der musikalischen Landschaft auf. Beispielhaft steht hierfür der Preisträger Jens Lorenz, Universitätsmusikdirektor in Halle, der 2024 ausgezeichnet wurde. Lorenz hat über Jahrzehnte nicht nur musikalische Ensembles geprägt, sondern vor allem junge Musiker begleitet und gefördert. Seine Arbeit zeigt exemplarisch, wie die musikalische Ausbildung, die reichen Festivaltraditionen des Landes und die professionelle Orchesterlandschaft ineinandergreifen. Zuvor war 2022 der Komponist Jakob Ullmann geehrt worden, dessen avantgardistische Tonsprache international beachtet wird und der zugleich eng mit Sachsen-Anhalt verbunden ist.

Literaturpreis des Landes Sachsen-Anhalt

Der Literaturpreis des Landes Sachsen-Anhalt, der „Klopstock-Preis für neue Literatur“, ergänzt seit 2015 das Ensemble der Landespreise. Mit dem Hauptpreis zeichnet das Land literarische Werke aus, die in den vergangenen Jahren besondere Resonanz gefunden haben, oder würdigt ein Gesamtwerk. Der Förderpreis würdigt Nachwuchsautoren, die sich mit einer herausragenden Debütveröffentlichung ausgewiesen haben. Die Preisträger zeigen eindrucksvoll, wie stark die literarische Szene der Region mit der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur verflochten ist. So würdigte 2025 Kulturminister Rainer Robra die Hauptpreisträgerin Heike Geißler als „eine herausragende Stimme, die weit über den deutschen Literaturbetrieb hinaus hörbar ist. Mit ihren sensiblen Betrachtungen unserer Gegenwart forscht sie gesamtdeutschen Befindlichkeiten aus ostdeutscher Perspektive nach, sucht nach den Dingen die verzweifeln lassen und schreibt dagegen an.“

Ein Jahr zuvor erhielt Yevgeniy Breyger den Hauptpreis für seinen Gedichtband „Frieden ohne Krieg“. Das Werk verbindet Familiengeschichte und aktuelle politische Erfahrung, indem es die Schrecken des Krieges ebenso thematisiert wie die Suche nach Sprache inmitten von Sprachlosigkeit. In früheren Jahren wurden unter anderem Angela Steidele, Matthias Jügler und Annett Gröschner geehrt – Autorinnen und Autoren, deren Werke historische Tiefenschärfe, gesellschaftliche Relevanz und literarische Eigenständigkeit verbinden. Förderpreisträger waren u.a. Marlen Pelny, Domenico Müllensiefen und Tobias Wagner.

Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt

Der Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt, jährlich vergeben, richtet den Blick auf ein anderes, oft übersehenes Feld kultureller Arbeit: die denkmalpflegerische Bewahrung von Bauwerken, Kulturlandschaften und archäologischen Zeugnissen. Diese Auszeichnung würdigt sowohl wissenschaftliche Leistungen als auch ehrenamtliches Engagement. Mit dem Preis 2023 wurden unter anderem Claudia und Volker von Alvensleben geehrt, die den Oberhof in Ballenstedt mit großem persönlichen und finanziellen Aufwand restauriert und wieder öffentlich zugänglich gemacht haben. Ihre jahrelange Arbeit an der spätmittelalterlichen Gesamtanlage zeigt beispielhaft, wie privates Engagement ein vergessenes Denkmal zurück in das kulturelle Bewusstsein einer Region führen kann. Ebenso beeindruckend ist das Engagement von Dr. Kamilla Bühring, die im fortgeschrittenen Alter den Pfarrhof in Möckern erwarb und ihn vor dem Verfall rettete. Ausgezeichnet wurde auch der Verein Rettung Schloss Blankenburg e. V., seit Jahren eine treibende Kraft hinter der Instandsetzung des größten erhaltenen Welfenschlosses, steht für die enorme Wirkungskraft bürgerschaftlichen Handelns im Bereich der Denkmalpflege.

Ob in der Kunst, der Musik, der Denkmalpflege oder der Literatur: Die Auszeichnungen würdigen Leistungen, die die kulturelle Landschaft des Landes bereichern, prägen und weiterentwickeln – und sie setzen ein Zeichen dafür, dass Kultur kein Beiwerk ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Identität.

Mehr erfahren über: "Bürgerschaftliches Engagement in der Kultur – Ehrenamt als Rückgrat des Kulturlandes Sachsen-Anhalt".