In seiner Rede würdigte Robra die Bedeutung der Literatur für die Gesellschaft: „Literatur fordert uns heraus, Widersprüche auszuhalten, Gewissheiten zu hinterfragen und neue Blickwinkel einzunehmen. Gerade in einer Zeit, in der vieles auf Schnelligkeit, Vereinfachung und unmittelbare Verwertbarkeit ausgerichtet ist, gewinnt sie besondere Bedeutung.“
Mit Blick auf den Hauptpreisträger sagte Robra: „Jan Kuhlbrodt verbindet in seinem Werk persönliche Erfahrungen mit der Geschichte der DDR und den Umbrüchen Ostdeutschlands. Sein Schreiben sucht keine einfachen Antworten, sondern eröffnet Räume für Zweifel, Widerspruch und neue Perspektiven. Sein Werk verbindet gesellschaftliche Analyse mit literarischem Risiko.“
Jan Kuhlbrodt ist Schriftsteller, Lyriker, Essayist und Herausgeber. Er wurde 1966 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren und studierte politische Ökonomie in Leipzig sowie Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main. Von 1997 bis 2001 absolvierte er ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Kuhlbrodt war Geschäftsführer der Literaturzeitschrift „Edit“, Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig sowie Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut. In seinem Roman „Krüppelpassion“ setzt er sich offen mit seiner Erkrankung an Multipler Sklerose auseinander. Zuletzt erschien gemeinsam mit seinen Töchtern Maria Hefter und Sophia Hefter „Wäsche im Wind und Polizisten“, eine Korrespondenz aus Gedichten und Zeichnungen. Kuhlbrodt lebt mit seiner Familie in Leipzig.
Der Klopstock-Förderpreis, dotiert mit 3.000 Euro, geht an Olaf Wisch für sein Werk „Maria nimmt Gestalt an“. Geboren 1973 in der Lutherstadt Wittenberg, studierte er Theologie in Jena und arbeitete einige Jahre als evangelischer Pfarrer in Ostthüringen. Seit 2017 in Halle ansässig, verbindet er als Lyriker, Theologe und Pfarrer an der Lutherkirche in Halle in seinem Schaffen theologische Perspektiven mit literarischer Ausdruckskraft. Darüber hinaus unterrichtet er an einer Schule in Halle. Seine Gedichte zeichnen sich durch eine klare, oft an klassische Odenformen orientierte Sprache aus. Sie sind geprägt von dem Versuch, neue Perspektiven einzunehmen.
Robra hob hervor: „Mit ‚Maria nimmt Gestalt an‘ ist Olaf Wisch ein bemerkenswertes Debüt gelungen. Seine Gedichte bewegen sich zwischen Tradition und Gegenwart und eröffnen Denk- und Wahrnehmungsräume, anstatt schnelle Lösungen zu bieten. Das macht neugierig auf sein weiteres literarisches Schaffen.“
Der Minister dankte außerdem der Jury des Klopstock-Preises und dem Literaturbeirat des Landes Sachsen-Anhalt für ihre engagierte Arbeit. „Der Klopstock-Preis zeichnet Literatur aus, die neue Wege beschreitet, Fragen stellt und die Möglichkeiten der Sprache auslotet. Er macht herausragende Gegenwartsliteratur sichtbar und stärkt ihre öffentliche Wahrnehmung.“
Hintergrund
Der „Klopstock-Preis für neue Literatur“ wird für ein deutschsprachiges Werk (Roman, Lyrik, Drama, Reisebeschreibung, Essay), das in den letzten vier Jahren vor der beabsichtigten Preisverleihung veröffentlicht wurde oder für ein literarisches Gesamtwerk, verliehen.
Der Klopstock-Förderpreis wird an einen Nachwuchsautor vergeben, der sich mit einer herausragenden literarischen Debütveröffentlichung ausgewiesen hat, die bundesweit Beachtung gefunden hat. Der Autor muss einen biblio- oder biografischen Bezug zum Land Sachsen-Anhalt haben.
Verliehen wird der Literaturpreis des Landes Sachsen-Anhalt seit 2015. Zu den bisherigen Preisträger zählen u.a. Alexander Kluge, Clemens Meyer und Angela Steidele.

