Menu
menu

Niederdeutsch in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt sollen die Pflege und Erforschung der Niederdeutschen Sprache weiter gestärkt werden. Die Förderung dieser Tradition ist ein ausdrücklicher Bestandteil der Kulturpolitik des Landes.

Sprachwissenschaftlich gilt das Niederdeutsche als eine neben dem Hochdeutschen eigenständige Sprache, die im heutigen Sachsen-Anhalt seit Jahrhunderten beheimatet ist. Neben dem Börde Platt werden in Sachsen-Anhalt Altmärker Platt und Harzer Platt gesprochen.

Auf EU-Ebene wurde am 5. November 1992 die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen vom Europarat unterzeichnet. Die von der Bundesregierung 1998 ratifizierte Charta trat am 1. Januar 1999 in Kraft. Hinsichtlich der Regionalsprache Niederdeutsch verpflichtet sich Deutschland zu ihrem Schutz in den Bundesländern Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Bereits im Jahr 1991 hat sich Sachsen-Anhalt mit einem entsprechenden Landtagsbeschluss zur Förderung des Niederdeutschen und der im Land gesprochenen Dialekte verpflichtet. Im Juni 2019 unterstrich der Landtag mit seinem richtungsweisenden Beschluss „Niederdüütsche Sprook in Sassen-Anhalt wedder opleven laten“ erneut seine Verantwortung für die Bewahrung und Förderung der niederdeutschen Sprache.

Die Zuständigkeit für die Pflege der Regionalsprache Niederdeutsch liegt in der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur. Vertreter des Fachreferates nehmen regelmäßig auch an entsprechenden Beratungen auf Bundesebene teil. Der Fachbereich organisiert die Sitzungen der AG Niederdeutsch, bei denen Vertreter des Landtags, Vertreter der verschiedenen Ressorts der Landesregierung, die Arbeitsstelle Niederdeutsch der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt e. V. sowie „Plattsprecher“ vertreten sind.

Seit 2019 findet auf der Grundlage eines Beschlusses der Landesregierungen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts zur Zusammenarbeit bei der Förderung und Pflege der niederdeutschen Sprache einmal jährlich eine gemeinsame AG-Sitzung statt.

Die AG Niederdeutsch verknüpft die Pflege mit der Erforschung der Niederdeutschen Sprache. In fachbezogenen Studiengängen an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurden zum Thema Niederdeutsch mehrere Seminare, Forschungsarbeiten und Projekte organisiert (z. B. „Plattdütschbüdel“, Kinderbücher in plattdeutscher Sprache). Die Arbeitsstelle organisiert ferner den Vorlesewettbewerb „Schülerinnen und Schüler lesen PLATT“ in den Regionen Harz, Börde und Altmark.

Im Beschluss des Landtages von 2019 ist die Landesregierung gebeten worden, eine stärkere Sichtbarkeit der niederdeutschen Sprache in der Öffentlichkeit zu ermöglichen. Geeigneten Kommunen solle die Möglichkeit eingeräumt werden, auf Antrag bei der Kommunalaufsichtsbehörde ihre Ortsnamen ergänzend auf Niederdeutsch zu führen.

Für die Umsetzung dieses Beschlusses brachte das Innenministerium 2020 den Erlass „Bezeichnung der Gemeinden in niederdeutscher Sprache“ in Abstimmung mit der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur auf den Weg. Dieser Erlass findet seine Ergänzung in Festlegungen des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr vom März 2021, die es Gemeinden, denen der niederdeutsche Ortsname verliehen wurde, ermöglichen, diese Bezeichnung auch auf den Ortstafeln anbringen zu lassen.

Als erste Kommune in Sachsen-Anhalt führt seit Ende 2021 der Ort Harsleben im Landkreis Harz auch seine niederdeutsche Bezeichnung „Harschlewe“. Der Name ist der Gemeinde im Ergebnis eines entsprechenden Antragsverfahrens verliehen worden und wurde auf einem Ortseingangsschild verankert. Dieses Beispiel soll auch andere Orte motivieren, ihre niederdeutschen Wurzeln sichtbar zu präsentierten.

Weitere Maßnahmen, die das Land zur Bewahrung und Förderung der Regionalsprache Niederdeutsch vorantreibt, sind die Förderung der Erarbeitung des Mittelelbischen Wörterbuchs und die Unterstützung von Bildungsangeboten für den Erwerb und die Pflege der niederdeutschen Sprache, zum Beispiel in Kindertagesstätten und Grundschulen.

Landesheimatbund Sachsen-Anhalt

Magdeburger Straße 21
06112 Halle (Saale)
www.lhbsa.de

Tel.: +49 (0) 0345/2 92 86 10
E-Mail: info(at)lhbsa.de