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Klopstock-Preis 2026 für Jan Kuhlbrodt

Der Schriftsteller Jan Kuhlbrodt wird mit dem diesjährigen Klopstock-Preis für neue Literatur ausgezeichnet. Er erhält den mit 12.000 Euro dotierten Hauptpreis für sein Gesamtwerk. Der mit 3.000 Euro dotierte Förderpreis geht an den Theologen und Lyriker Olaf Wisch mit seinem Werk „Maria nimmt Gestalt an“.

Klopstock-Preisträger 2026: Jan Kuhlbrodt

Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra gratuliert dem Preisträger: „Jan Kuhlbrodt schreibt auf ungewöhnliche Weise über seine eigene Geschichte und die der DDR – oft offen und fragmentarisch, sodass Zweifel, Irrtümer und neue Perspektiven bewusst Teil seiner Literatur werden. Besonders beeindruckend ist, mit welcher Wucht er in „Krüppelpassion“ die Wirkung einer Krankheit beschreibt und ohne larmoyant zu werden einen Diskurs über Diskriminierung aufmacht. Er richtet damit den Blick auf immer noch blinde Flecken. Ich beglückwünsche Jan Kuhlbrodt zum diesjährigen Klopstock-Preis.“

Jan Kuhlbrodt ist Schriftsteller, Lyriker, Essayist und Herausgeber. 1966 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren, studierte er politische Ökonomie in Leipzig sowie Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main. Von 1997 bis 2001 absolvierte er ein Studium Literatur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Kuhlbrodt war Geschäftsführer der Literaturzeitschrift „Edit“, Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut. In seinem Roman „Krüppelpassion“ thematisiert er offen den Einfluss seiner Erkrankung an Multipler Sklerose auf sein Leben. Zuletzt erschien von ihm gemeinsam mit seinen Töchtern Maria Hefter und Sophia Hefter „Wäsche im Wind und Polizisten“, eine Korrespondenz aus Gedichten und Zeichnungen. Kuhlbrodt lebt mit seiner Familie in Leipzig.

Jan Kuhlbrodt soll für sein literarisches Gesamtwerk geehrt werden, das durch beeindruckende stilistische Vielfalt und inhaltliche Tiefe besticht. Als Lyriker und Prosaautor mit ostdeutschem Hintergrund setzt er sich seit Jahrzehnten intensiv mit gesellschaftlichen Themen auseinander. Seine Werke sind geprägt von einer tiefgehenden Erinnerungsarbeit, insbesondere zur Geschichte von Karl-Marx-Stadt/Chemnitz und zu den Erfahrungen in der DDR. Sein politisches Engagement zeigt sich sowohl in der Auseinandersetzung mit der Geschichte als auch im Einsatz für Inklusion und Teilhabe. Kuhlbrodt gelingt es, existenzielle und gesellschaftliche Fragen literarisch zu reflektieren und neue Perspektiven zu eröffnen. Seine biografischen Erfahrungen verleihen seinen Texten Authentizität und emotionale Kraft. „Auf herausragende Weise verbindet Jan Kuhlbrodt gesellschaftspolitische Kritik mit poetischem Experiment und Wagnis“, so die Begründung der Jury.

Den Klopstock-Förderpreis 2026 erhält Olaf Wisch mit seinem Werk „Maria nimmt Gestalt an“. Geboren 1973 in der Lutherstadt Wittenberg, studierte er Theologie in Jena und arbeitete einige Jahre als evangelischer Pfarrer in Ostthüringen. Seit 2017 in Halle ansässig, verbindet er als Lyriker, Theologe und Pfarrer an der Lutherkirche in Halle in seinem Schaffen theologische Perspektiven mit literarischer Ausdruckskraft. Darüber hinaus unterrichtet er an einer Schule in Halle. Seine Gedichte zeichnen sich durch eine klare, oft an klassische Odenformen orientierte Sprache aus. Sie sind geprägt von dem Versuch, neue Perspektiven einzunehmen.

„Es ist beeindruckend wie Olaf Wisch in „Maria nimmt Gestalt an“ auf überraschende Weise Tradition und Gegenwart verbindet, indem er Klopstocks Formen aufgreift und sie für eine heutige, persönliche Lyrik neu belebt. Für sein weiteres Schaffen wünsche ich Olaf Wisch alles Gute“, so Rainer Robra.

Die feierliche Preisverleihung findet am 2. Juli 2026 – dem Geburtstag des Dichters – in der Welterbestadt Quedlinburg statt.

Hintergrund

Seit 2015 verleiht das Land Sachsen-Anhalt jährlich den „Klopstock-Preis für neue Literatur“. Er stellt die höchste Auszeichnung des Landes auf dem Gebiet der Literatur dar. Eine hierfür eigens eingesetzte Jury bestimmt den Hauptpreisträger oder die Hauptpreisträgerin; ihr gehören aktuell Dr. Maike Albath, Annett Gröschner, Thomas Kunst, Prof. Dr. Stephan Pabst und Dr. Wiebke Porombka an. Der Preis wird vergeben für ein deutschsprachiges Werk aus den letzten vier Jahren oder für eine literarisch wertvolle Gesamtleistung. Der Förderpreis wird auf der Grundlage von Vorschlägen des Literaturbeirates verliehen. Er richtet sich an Nachwuchsautorinnen und -autoren aus Sachsen-Anhalt, deren Debütveröffentlichung bundesweit Beachtung gefunden hat.

Namenspatron des Preises ist der in Quedlinburg geborene Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803), einer der bedeutendsten Dichter und Literaten des Zeitalters der Aufklärung. Bisherige Hauptpreisträgerinnen und -preisträger waren Ann Cotten (2015), Uwe Kolbe (2016), Thomas Melle (2017), Marion Poschmann (2018), Alexander Kluge (2019) Clemens Meyer (2020), Annett Gröschner (2021), Matthias Jügler (2022), Angela Steidele (2023), Yevgeniy Breyger (2024) und Heike Geißler (2025).