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Landesgeschichte und Industriegeschichte

Die Industriegeschichte ist ein Herzstück der Landesgeschichte Sachsen-Anhalts. Neben der Landwirtschaft und der chemischen Industrie wirkte der Braunkohlenbergbau als Zugpferd des zweiten Industrialisierungsschubs um die Jahrhundertwende. In kaum einer anderen Region Deutschlands erreichte diese Branche eine solche soziale, räumliche und kulturelle Prägekraft, sowohl durch die Energiegewinnung als auch durch die Kohlenchemie. Gleichzeitig ist in der Gegenwart kaum ein Industriezweig umstrittener: Umweltverschmutzung, Klimawandel und der vergangene sowie der kommende Strukturwandel werfen die Frage auf, wie ein zeitgemäßer und zukünftiger Umgang mit der industriellen Vergangenheit aussehen kann.

Wissenskultur des Braunkohlenbergbaus

Das Institut für Landesgeschichte wählt die Konflikthaftigkeit des Braunkohlenbergbaus als Motiv, um seine Geschichte zu untersuchen. Der Braunkohlenbergbau in Mitteldeutschland wirkte in seiner fast 200 Jahre währenden modernen Geschichte als Wissensgenerator. Die Ressourcengewinnung schuf nicht nur materielle Werte, sie trug zu einer immensen Wissensexplosion bei: Das Geiseltal stellte einen der weltweit wichtigsten Orte zur Erforschung der Erdgeschichte dar, eine lebendige Erinnerungskultur prägte und prägt den Umgang mit den verschwundenen Dörfern, Landesplanung und Rekultivierung florierten von der Gründung des Planungsverbandes für den engeren mitteldeutschen Industriebezirk (1925) bis zur Internationalen Bauausstellung Stadtumbau (2010) und mit der Eröffnung des weltweit ersten Niederschachtofenwerks in Calbe (1951) war der Braunkohlenbergbau im heutigen Sachsen-Anhalt Teil der Wissensproduktion und des Wissenstransfers im Rahmen der „sozialistischen Globalisierung“. Die Geschichte des Braunkohlenbergbaus erweist sich dadurch als eingebettet in vielfältige, lokal verankerte, aber ebenso regionenübergreifend und global wirkende Bezüge und Verflechtungen. Über die Erforschung der Weltbeziehungen, die dieser Wirtschaftszweig prägte, trägt das Institut für Landesgeschichte zur Stärkung der industriekulturellen Identität des Landes bei.

Eine erste Tagung des Instituts für Landesgeschichte zu diesem Thema fand am 2./3. Dezember 2021 im Hörsaal des Landesmuseums für Vorgeschichte statt [Link auf Tagungsbericht, der im noch im Dezember 2021 online erscheint; url bei Herrn Kellershohn zu erfragen]. Die Publikation der Tagungsergebnisse in der Reihe des Instituts für Landesgeschichte befindet sich in Vorbereitung.

Ansprechpartner

Dr. Jan Kellershohn

Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
– Landesmuseum für Vorgeschichte –
Abt. 6: Institut für Landesgeschichte

Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle (Saale)

E-Mail: JKellershohn(at)lda.stk.sachsen-anhalt.de