Winckelmann-Jubiläen 2017/18

Leben und Wirken Winckelmanns

Das Bild zeigt ein Signet von Winckelmann

Sachsen-Anhalt erinnert 2017 und 2018 mit gleich zwei Jubiläen an einen der berühmtesten Söhne des Landes: Johann Joachim Winckelmann (1717-1768), dem Begründer der modernen Archäologie und Kunstgeschichte. Er gilt als einer der bedeutendsten Intellektuellen der europäischen Aufklärung. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe widmete dem Altmärker unter dem Titel „Winckelmann und sein Jahrhundert“ sogar einen ganzen Sammelband. Nun wird dem Archäologen, Gelehrten und Weltenbummler eine doppelte Ehre zuteil: Die Feier seines 300. Geburtstags sowie das Gedenken an seinen 250. Todestag.

Winckelmann, der auch als „Stendaler Kolumbus“ bekannt ist, wurde am 09. Dezember 1717 in der Hansestadt Stendal in der Altmark geboren. Als Sohn eines Schuhmachers wuchs er in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf und verbrachte seine Schulzeit in Stendal, Salzwedel und Berlin. Mit 21 Jahren begann er ein Theologiestudium in Halle, das er jedoch zwei Jahre später für eine Anstellung als Hauslehrer in Osterburg abbrach. Es folgten verschiedene Stationen in Jena, Seehausen und Sachsen, ehe es ihn 1755 nach Rom zog.

Winckelmann in Rom

Die Stadt am Tiber mit ihren großen Palästen, Villen und einzigartigen Architekturdenkmälern, machte auf Winckelmann einen überwältigenden Eindruck. Er studierte die verschiedenen Kunstsammlungen in der Stadt und unternahm Exkursionen in die Umgebung Roms. Winckelmann pflegte gute Verbindungen zu römischen Gelehrtenkreisen, studierte die Antiken- und Kunstsammlungen in der Stadt und wurde schließlich für die deutsche Sprache zuständiger Schreiber in der Vatikanischen Bibliothek.

Unter der Formel „Edle Einfalt und stille Größe“ widmete sich Winckelmann ganz dem Studium der griechischen Antike. Dieser Leitspruch war prägend für seine Arbeit. In Rom verfasste er seine wichtigsten Werke, darunter sein Hauptwerk „Die Geschichte der Kunst des Alterthums“ aus dem Jahre 1764, das bis heute Nachschlagewerk für die Erschließung der griechischen Kunst ist. Hier lassen sich erstmals Züge der klassizistischen Programmatik finden. „Der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist die Nachahmung der Alten“ – dieser Satz steht bis heute in Zusammenhang mit Winckelmann, der auch als der geistige Begründer des deutschen, wenn nicht sogar auch des europäischen Klassizismus gilt. Auf der Rückkehr einer seiner Reisen wurde Winckelmann am 08. Juni 1768 Opfer eines Raubmordes in der italienischen Stadt Triest.

Winckelmann-Ehrungen 2017/2018

Die Winckelmann-Jubiläen sind Anlass in Sachsen-Anhalt den Blick auch einmal auf den jungen Winckelmann, sein Leben in der Altmark und sein persönliches Umfeld zu richten. Seit vielen Jahren erforscht und fördert die Winckelmann-Gesellschaft mit Sitz in Stendal das Werk und Erbe Winckelmanns. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, „die internationalen Forschungen zum Leben, Werk und Wirken Johann Joachim Winckelmanns zu unterstützen“. Zu den Winckelmann-Ehrungen hat die Gesellschaft daher zahlreiche Vorhaben geplant, u.a. eine zentrale Ausstellung im Winckelmann-Museum Stendal, diverse kleine Korrespondenzausstellungen in der Altmark und der Börde, Kongresse und Tagungen rund um das Leben und Wirken des Gelehrten, sowie eine Vortrags- und Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin.

Programm zu den Winckelmann-Jubiläen 2017/2018

Zu Ehren seines 300. Geburtstages am 9. Dezember 2017 sowie zum Gedenken an seinen 250. Todestag im Jahr darauf finden europaweit zahlreiche Veranstaltungen statt, die an das Schaffen und Wirken des Stendaler Sohnes erinnern sollen.

  • In Sachsen-Anhalt beging die Hansestadt Stendal vom 3. bis 9. Dezember 2017 mit einer eigenen Festwoche das Winckelmann-Jubiläum. In Zusammenarbeit mit der Winckelmann-Gesellschaft stellte die Stadt ein reiches Programm auf, um das Leben und Wirken des Gelehrten zu beleuchten. Abschluss und Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein Festakt zum 300. Geburtstag Winckelmanns im Musikforum Katharinenkirche. Zu diesem Anlass überbrachte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff am Samstag, 9. Dezember 2017, ein kurzes Grußwort der Landesregierung.
  • Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gedenkt ihren Alumnus mit der Ausstellung „Die Entdeckung der antiken Malerei im 18. Jahrhundert. Turnbull – Paderni – Winckelmann“. Die Schau zeigt vom 8. Dezember 2017 bis 28. Januar 2018 im Universitätsmuseum im Löwengebäude, Universitätsplatz 11, 06108 Halle, originale Federzeichnungen antiker Wandmalereien in Pompeji aus dem 18. Jahrhundert.
  • Die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt hat ein sechsmonatiges Winckelmann-Stipendium ausgelobt. Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler aller Genres, die sich mit dem Werk von Johann Joachim Winckelmann, seiner Sicht auf die Antike sowie mit der antiken Kunst selbst beschäftigen möchten. Die Höhe des Stipendiums beläuft sich auf monatlich 1.500 Euro. Hinzu kommen Aufenthaltsmöglichkeiten in Halle, Stendal, Dessau-Wörlitz und Florenz. 
  • Um den künstlerischen Einfluss Winckelmanns zu verdeutlichen eröffnet das Kunstmuseum Moritzburg in Halle die Sonderausstellung „ideale. moderne kunst seit winckelmanns antike“. Die Ausstellung findet statt vom 18. März bis 10. Juni 2018.
  • Einen weiteren Höhepunkt des Jubiläumsjahres stellt der internationale Winckelmann-Kongress vom 13. bis 15. Juni 2018 dar. Der Kongress folgt dem Thema „Kunst und Freiheit“ und untersucht sein Wirken in Europa und der ganzen Welt. Dieser findet statt in der Landesvertretung Sachsen-Anhalts beim Bund.
  • Im September 2018 öffnet das neue Winckelmann Museum in Stendal seine Pforten. Es handelt sich um das einzige Museum, welches Johann Joachim Winckelmann gewidmet ist und wurde an der Stelle seines Geburtshauses errichtet. In der ständigen Ausstellung wird die umfangreiche Sammlung gezeigt, die die 1940 gegründete Winckelmann-Gesellschaft über Jahrzehnte zusammengetragen hat.

Zahlreiche weitere Tagungen und Ausstellungen befinden sich in der Vorbereitung, welche nicht nur auf Deutschland beschränkt bleiben werden. So ist etwa die Eröffnung einer Wanderausstellung in Brüssel geplant. Eine weitere Veranstaltung, anlässlich seines Todestages findet in Triest statt.