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Provenienzforschung in Sachsen-Anhalt

Koordinierungsstelle Provenienzforschung

Tausende Kunstwerke, Bücher und Alltagsgegenstände wurden seit dem 30. Januar 1933 bis Ende des Zweiten Weltkriegs NS-verfolgungsbedingt entzogen, verkauft und verlagert. Das ursprüngliche Eigentum von jüdischen Bürgern und vielen anderen Verfolgten gelangte dadurch auf unterschiedlichen Wegen in unsere Museumsbestände. Die moralische Verpflichtung zur Erforschung und Restitution an die Eigentümer, die aus der Unterzeichnung der Washingtoner Erklärung von 1998 durch die Bundesrepublik Deutschland und der Gemeinsamen Erklärung von Bundesregierung, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden erwächst, gilt auch für die Museen in Sachsen-Anhalt.

Der Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. unterstützt und berät die Museen in ihren Bemühungen, die Erwerbsbiografien (= Provenienzen) ihrer Objekte zu erforschen. Da die Aktenlagen in den Museen selbst oft dürftig ist und gerade auch kleineren Museen die finanziellen und personellen Ressourcen für weitergehende Recherchen fehlen, stockt oftmals die Provenienzforschung. Daher hat das Land Sachsen-Anhalt seit Juni 2019 die Koordinierungsstelle Provenienzforschung NS-Raubgut am Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. eingerichtet. Zu den Aufgaben  gehört die Anregung von fachlichem Austausch, die Hilfestellung bei Projektanträgen, methodische Unterstützung und die Umsetzung der Transparenz durch Öffentlichkeits- und Vermittlungsarbeit in den Museen. Das soll den Museen Sicherheit und Auskunftsfähigkeit beim Umgang mit Objekten unklarer oder verdächtiger Herkunft geben.

Erstcheck Provenienzforschung NS-Raubgut

Seit dem Jahr 2016 führt der Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. mit Förderung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eine Vorprüfung in den Beständen von Stadt- und Regionalmuseen durch, die kurz „Erstcheck“ genannt wird. Hierbei wird in den Sammlungen und Akten danach gesucht, ob Verdachtsmomente vorliegen für problematische Herkünfte der Objekte, um dann ggf. vertiefende Recherchen zu initiieren. Bis Ende 2019 wurden 21 Museen geprüft, weitere fünf Museen nehmen 2020 am Erstcheck teil. Auch in den Folgejahren soll der Erstcheck fortgesetzt werden.

Forschungsprojekt Geschichte des Museumsverbandes während der NS-Zeit

Doch nicht nur die Museen befragen ihre eigene Vergangenheit, sondern auch der Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V.  sieht sich in der Verpflichtung, die Rolle seiner Vorgängerinstitutionen in der NS-Zeit zu erforschen. In einem zunächst einjährigen Forschungsprojekt (seit Dezember 2019) arbeitet der Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. die Geschichte  der Museumspfleger und -beratung in der preußischen Provinz Sachsen und dem Freistaat Anhalt  in der Zeit von 1933 bis 1945 auf. Dieses Projekt wird vom Land Sachsen-Anhalt sowie der „Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste“ gefördert.

Tag der Provenienzforschung

Um auf die gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz der Provenienzforschung aufmerksam zu machen, wurde der Aktionstag der Provenienzforschung ins Leben gerufen. Er findet jedes Jahr am zweiten Mittwoch im April statt. An diesem Tag planen Museen, Archive, Bibliotheken und Galerien Führungen, Präsentationen und weitere Aktionen, mit denen sie die vielfältigen Methoden dieses Forschungsbereichs einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie können viele Veranstaltungen zum Tag der Provenienzforschung nicht wie geplant am 8. April 2020 stattfinden. Der diesjährige Aktionstag wird daher auf digitalen Plattformen und Social Media Kanälen unter dem Hashtag #TagderProvenienzforschung präsent sein. Nähere Informationen zu den Online-Angeboten am Tag der Provenienzforschung unter:

Was ist die Koordinierungsstelle Provenienzforschung NS-Raubgut?

Seit Juni 2019 ist beim Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. die Koordinierungsstelle Provenienzforschung eingerichtet. Was sind die zentralen Aufgaben dieser Einrichtung?

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Hintergrund: Dritte Erstcheckrunde in den Museen Sachsen-Anhalts

Seit Dezember 2019 findet in den Museen Sachsen-Anhalts die dritte Runde der Erstchecks statt. Die Historikerin Corrie Leitz untersucht die Herkunft der Sammlungen.

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Forschungsprojekt: Museumsberatung in der Provinz Sachsen und im Freistaat Anhalt 1933-1945

Der Kunsthistoriker Sven Pabstmann erforscht die Geschichte des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt und dessen Vorgängerinstitution in der Zeit des Nationalsozialismus

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Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V.

Käthe-Kollwitz-Str. 11
06406 Bernburg
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Tel.: +49 (0) 3471/ 62 81 16
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