Sachsen-Anhalt stellt das Landesprogramm zum Bauhausjubiläum 2019 vor

Mit einer Vielzahl von Projekten begehen Bund, Land und die Städte in Sachsen-Anhalt gemeinsam das Bauhausjubiläum. Kulturminister Rainer Robra stellte am Mittwoch, 28. März 2018, zusammen mit Dr. Claudia Perren, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, und die Kulturbeigeordneten der Städte Dessau-Roßlau, Halle (Saale) und Magdeburg die zentralen Punkte des umfangreichen Programms für das Jubiläumsjahr 2019 vor. Es fügt sich ein in die Aktivitäten weiterer Partner des Jubiläums, wie beispielsweise der Kulturstiftung des Bundes oder des Bauhaus Verbundes.

Sachsen-Anhalt - das Land, in dem der Bauhausgedanke bis heute wirkt

Meisterhaus Moholy-Nagy in Dessau-Roßlau
Meisterhaus Moholy-Nagy in Dessau-Roßlau

Bereits gestartet ist die Dachkampagne des Landes „Sachsen-Anhalt. Hier macht das Bauhaus Schule. #moderndenken“. Mit verschiedenen Maßnahmen wie bundesweite Plakat- und Anzeigenschaltungen und dem Aufbau einer Hashtagkampagne auf Instagram wird Sachsen-Anhalt als das Land, in dem der Bauhausgedanke bis heute wirkt, dargestellt. Ebenfalls bereits vorgestellt wurde das touristische Netzwerk „Das Bauhaus und die Orte der Moderne in Sachsen-Anhalt“, in dem insgesamt 39 Orte und Bauwerke zusammengefasst sind. Darunter sind neben den UNESCO-Welterbestätten in Dessau-Roßlau auch Kleinode wie das Diakonissen-Mutterhaus „Neuvandsburg“ in Elbingerode im Harz.

„Wir arbeiten bereits seit einigen Jahren auf das Jubiläumsjahr 2019 hin“, betonte Kulturminister Rainer Robra. Im Haushalt der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur sind dafür für die Jahre 2017 – 2020 insgesamt rund 18,5 Mio € eingeplant, hinzukommen noch weitere 12,5 Mio, € Landesanteil für das neue Bauhaus Museum in Dessau-Roßlau, welches 2019 eröffnet wird.

Bauhausjubiläum als Anlass zum gemeinsamen Feiern

„Das Bauhausjubiläum mobilisiert viele Kunst- und Kulturinstitutionen im Land, es findet aber auch die Verknüpfung zu aktuellen Debatten. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte eine große Wohnungsnot. Die modernen Wohnsiedlungen wie beispielsweise in Dessau-Törten oder die Hermann-Beims-Siedlung in Magdeburg waren Antworten darauf und zeigen eine städtebaupolitische Dynamik, von der man heute noch lernen kann“, so Robra. Ein besonderes Detail ist die denkmalgerechte Sanierung des Flussbades Rehsumpf in Dessau-Roßlau. Ab 2019 können Besucher nicht nur Ausstellungen und sanierte Gebäude besuchen, sondern sich auch - wie in den 1920er Jahren die Bauhäusler - in einem der letzten historischen, noch erhaltenen Flussbadeanstalten Europas erfrischen.

„Am Bauhaus Dessau wird das Jubiläum natürlich mit der Eröffnung des Bauhaus Museum Dessau gefeiert – aber nicht nur das: die Bauhaus Festspiele Dessau zu Schule, Architektur und Bühne und unsere Konferenz Bauhaus Museum Global geben über das ganze Jahr hinweg Anlass zum gemeinsamen feiern – mit lokalen, nationalen und internationalen Besuchern, Künstlern und Partnern“, sagte Claudia Perren, Vorstand und Direktorin Stiftung Bauhaus Dessau.

Dessau – Stadt der Bauhaus-Architektur

Wenn heute von klassischer Moderne die Rede ist, kommt niemand an Dessau vorbei. Von 1926 bis 1932 beherbergte die Stadt eine der berühmtesten Architektur- und Kunstschulen der Welt: das Bauhaus. Sein Ruf kam nicht von ungefähr: Alle drei Bauhausdirektoren, Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe, haben das Bauhaus in Dessau geprägt und nahezu alle Bauhausbauten, die in Dessau entstanden sind, zählen heute zu den Ikonen der Architektur des 20. Jahrhunderts.

Mit dem aktuellen Projekt „Passagen“ soll das Ankommen des historischen Bauhauses auf das heutige Bauhaus Museum übertragen werden. Kreativ und spielerisch soll untersucht werden, welche Wirkung das neue „Bauhaus“ im Stadtpark auf die Gäste, aber auch auf die Stadtbevölkerung hat. Zum Bauhaus-Jubiläum sollen u. a. die räumlichen Verbindungen zwischen dem Stadtraum und den Bauhausgebäuden zum Experimentierfeld für die Gestaltung von Mobilität und öffentlichem Raum inszeniert werden.

„Ich freue mich auf das Inspirierende und das Kreative, auf das immer wieder neue Denken,  das 100 Jahre nach seiner Gründung vom Bauhaus immer noch angestoßen wird“, freut sich der Dessauer Beigeordnete Dr. Robert Reck auf das Jubiläumsjahr.

Halle und die Moderne: Kunst, Architektur und Lebensstil

Halle ist eine lebendige, großartige Stadt, in der architektonisch viele Kultur- und Stilepochen ihre Spuren hinterlassen haben. Die Ideen und Innovationen des Bauhauses sowie der Moderne spielen heute wie bereits vor 100 Jahren bei Stadtplanung, Denkmalpflege, aber auch bei Kunstvermittlung und -präsentation eine bedeutende Rolle. Wie breit und differenziert etwa die Moderne in der Stadt war, das verbindet sich auch mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, an der namhafte Bauhausprotagonisten wie u. a. Gerhard Marcks wirkten.

„Die Vielschichtigkeit der Bauhausidee wird in Halle (Saale) schon immer gepflegt. Bereits beim 100. Geburtstag der Kunsthochschule Burg Giebichenstein im Jahr 2015 erhielt auch das Bauhaus eine große Plattform. In unserer Stadt haben zahlreiche Bauhäuslerinnen und Bauhäusler im Bereich Architektur und Kunst Außergewöhnliches bewegt und geschaffen“, so Dr. Judith Marquardt, Beigeordnete für Kultur und Sport der Stadt Halle.

2019 plant die Stadt in Kooperation mit Kulturakteuren, Vereinen und Wissenschaftseinrichtungen ein vielfältiges und genreübergreifendes Angebot. Stadtmuseum, Kunstmuseum Moritzburg, Franckesche Stiftungen, Stadtsingechor, Theater, Oper und Orchester GmbH, Leopoldina und MLU Halle-Wittenberg u. v. a. präsentieren vernetzt Ausstellungen, Lesungen, Theater, Konzerte und interdisziplinäre Projekte. Vorgestellt werden diese mit einem Kulturstadtplan und einer interaktiven Internetplattform. Dort werden auf der Basis einer digitalen Stadtkarte 40 Orte für modernes Bauen in Halle präsentiert.

Magdeburg – Reformstadt der Moderne

Neben Dessau und Halle macht gerade die Bedeutung Magdeburgs in den 1920er Jahren Sachsen-Anhalt zum Land der Moderne. In der Zeit der Weimarer Republik stellte sich die heutige Landeshauptstadt Magdeburg früher und konsequenter als jede andere Großstadt unter den Vorzeichen der Moderne neu auf und erregte damit deutschlandweite Aufmerksamkeit. Unter der Leitung von Oberbürgermeister Hermann Beims wurde Magdeburg 1919 bis 1932 durch Neuerungen auf vielen Gebieten zu einer wahren Reformstadt, und hier konnte sich die Moderne in vielen Facetten und Themen entfalten.

"Der Geist der Magdeburger Moderne der 1920er Jahre betraf nicht nur die architektonische Formensprache, sondern erfasste in der Zeit der Oberbürgermeister Hermann Beims und Ernst Reuter das gesellschaftliche Gefüge der Stadt im Ganzen", so Matthias Puhle, Beigeordneter für Kultur der Stadt Magdeburg.

Viele Bauten dieser Zeit sind erhalten und bilden ein bedeutendes bauliches Erbe der Moderne – allen voran das Stadthallen-Areal auf der Rothehorninsel in der Elbe und die Hermann-Beims-Siedlung als die bedeutendste der zahlreichen Magdeburger Arbeitersiedlungen, die beide Teil der bundesweiten Grand Tour sind. Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 wird die Landeshauptstadt Magdeburg mit einem umfangreichen Programm aus Ausstellungen und Veranstaltungen an das ganze Spektrum der Errungenschaften der Magdeburger Moderne erinnern. Gleichzeitig wird damit ein Zeichen für Magdeburgs Weg auf der Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 gesetzt. Unter anderen Vorzeichen entwickelt sich die Reformstadt der 1920er Jahre zur Reformstadt der 2020er Jahre weiter.

Die wichtigsten Projekte im Überblick

Stiftung Bauhaus Dessau

  • Eröffnung des neuen Bauhaus Museum Dessau 2019
  • Festspiele Bauhaus Dessau:
  • Schule Fundamental, 20. - 24. März 2019
  • Architektur Radikal, 31. Mai – 2. Juni 2019
  • Bühne Total, 11. – 15. September 2019
  • Triennale der Moderne, 4. – 6. Oktober 2019
  • Bauhaus Museum Global, Konferenz „Internationale Bauhaus Sammlungen zu Gast in Dessau“, 2. – 5. Dezember 2019.

Dessau-Roßlau:

  • „Passagen“: Interventionen im Stadtraum, ab April 2019
  • Ausstellung „Unsichtbare Orte“. Orte des Wirkens des Bauhauses und des neuen Bauens werden dezentral vorgestellt. März – November 2019
  • Werkleitz Gesellschaft e.V.: Medienfestival „Modell und Ruine“ 25. Mai – 9. Juni 2019
  • Anhaltisches Theater: Raumbühne

Halle:

  • Kulturstadtplan und interaktive Internetplattform zu 40 Orten der Moderne, mit u.a. 360 Grad Fotografien.
  • Kunstmuseum Moritzburg: Mehrere Ausstellungen, u.a. „Burg der Moderne. Meister der Moderne“ vom 29. September 2019 – 12. Januar 2020.
  • Stadtmuseum Halle: „Hallesche Gebrauchsgrafik“ und ab 2019 „Orte der Moderne in Halle“.
  • Kunstverein Talstrasse e.V.: Ausstellung „Zwischen Femme Fatale und Frankfurter Küche“. Die Frau in den 1920er Jahren.

Magdeburg:

  • Kulturhistorisches Museum: „Reformstadt der Moderne. Magdeburg in den Zwanzigern“, 8. März – 16. Juni 2019
  • Forum Gestaltung: „Stefan Wewerka - Der Tecta-Komplex“ und „Ganz Modern. Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg 1793-1963“, 2019
  • Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen: Ausstellung „Moderne – Ikonografie. Das Bauhaus und die Folgen“, 2019.
  • Technikmuseum Magdeburg: „Magdeburger Pilotenrakete. Himmelsstürmer, Visionäre und Erfinder“, 2019.