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Feierliche Übergabe im Gartenreich Dessau-Wörlitz

Die Restaurierung der Insel Stein – des wohl außergewöhnlichsten und bautechnisch hoch komplizierten Bauwerks im Wörlitzer Park – wurde nach 27-jähriger Bauzeit abgeschlossen. Das Projekt wurde vom Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt (BLSA) als Projektsteuerer und der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (KsDW) als Bauherrin durchgeführt. Am 12. August 2022 wurde der bauliche Abschluss der Grundsanierung der Felseninsel feierlich von Herrn Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff gewürdigt:

„Die Welterbestätten in Sachsen-Anhalt sind ein gewichtiger Teil unserer kulturellen Identität. Sie sind zugleich touristische Magnete und dadurch immer auch Wirtschaftsfaktor. Der Kulturtourismus ist im Begriff, sich von den schweren Folgen der Corona-Pandemie zu erholen und wir müssen alles daransetzen, damit sich dieser Prozess verstetigt. Insbesondere das Gartenreich ist ein faszinierender Lernort zum Verständnis von Klassizismus und Aufklärung. Hier bietet sich ein eindrucksvolles Bild von der Einheit Europas. Unterschiedliche kulturelle Einflüsse haben sich hier ausgeprägt und eine beispiellose Verbindung von Nützlichem und Schönen hervorgebracht.“

Mit der Gesamtrestaurierung des Insel Stein wurde die ursprüngliche Intention des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau, seine Reiseimpressionen aus Italien und die Kunst der Antike auch seinem Volk zugänglich zu machen, wieder erlebbar. Mit der Nachbildung des „Vesuv“, der Villa Hamilton und dem antikisierenden Theater am Fuße des Vulkans vermittelt der „Wunderfelsen von Wörlitz“ Besucherinnen und Besuchern bis heute die zeitgenössischen Landschaftseindrücke aus Italien auf eindrucksvolle Weise. Die Insel Stein gehört damit zu den größten Attraktionen im Gartenreich und ihr Besuch ist ein unvergessliches Erlebnis.

Sanierung der Insel Stein

Das Ensemble war bis in die 1990er Jahre hinein akut gefährdet. Besonders Setzungserscheinungen und daraus resultierende Mauerwerksrisse, gepaart mit einer permanenten Durchfeuchtung mit Regenwasser hatten zu einer akuten Einsturzgefahr geführt. 1983 wurde die Insel bereits baupolizeilich gesperrt und war in der Folge für Besucherinnen und Besucher nicht mehr zugänglich. Vereinzelte frühere Reparaturen
vermochten die Ursachen der Schäden an diesem Baudenkmal nicht zu beheben. Der Sanierung der Insel Stein gingen ab 1992 eine Phase erster Vorplanungen (Kostenschätzung) sowie ab 1995 intensive Voruntersuchungen (Quellenforschung, Schadenskartierung, denkmalpflegerische Zielstellung) voraus. Nachdem die Villa Hamilton bereits 1995 mit einer neuen Dachhaut aus Kupferblech versehen wurde, um weiteren Schäden im Inneren vorzubeugen, starteten die unmittelbaren Arbeiten auf der Insel Stein im Jahr 1999.

Die Gesamtkosten für die Restaurierung der Insel Stein belaufen sich seitens der KsDW auf ca.
12 Mio. Euro aus Leuchtturmmitteln des Bundes und des Landes Sachsen-Anhalt.

Letzte Bausanierungsmaßnahme: „Grotte der Egeria“

Auf der Grundlage von umfassenden Voruntersuchungen wurde ab Frühjahr 2021 die Grotte der Egeria bearbeitet. Die Grotte – ein aus Porphyr und Sandstein gemauertes, beabsichtigt ruinös anmutendes Tonnengewölbe – beherbergt die Sandsteinskulptur der antiken Quellnymphe Egeria. Die von dem Bildhauer Friedrich Pfeiffer 1790 angefertigte, weiß gefasste Sandsteinskulptur bildet einen deutlichen Kontrast zur dunklen Grottenarchitektur und ist bereits aus der Ferne gut sichtbar. Über eine rundbogige Öffnung in der östlichen Stirnwand verläuft seitlich ein wasserführender Graben durch die Grotte, der das Wasser unmittelbar vor dem Bauwerk in den Wörlitzer See leitet.

Die fehlende Tragfähigkeit des Baugrunds sowie diverse Ausspülungen im Bereich des Wassergrabens haben zu einer Gefährdung der Standsicherheit der Grottenwände geführt und somit eine umfassende Restaurierung notwendig gemacht. Die Baufälligkeit zeigte sich besonders deutlich an der Schieflage der Nordwand. Diese wurde in einem ersten Schritt abgestützt und anschließend instandgesetzt. Mit der Grundsanierung des Bauwerks und der Restaurierung der Quellnymphe Egeria endete im Frühjahr 2022 die Bearbeitung.